Biologisch Gärtnern oder Gärtnern nach eigenen Qualitätsstandards

Bemerkungen zum Bio-Markt:

Zu Beginn des Biobooms Ende der 1980er Jahre wurde von Konsumenten teils kritisch bemerkt, dass die bio-Früchte nicht schön aussahen, die bio-Weine nicht schmeckten. Produzenten und Händler berichteten, dass die Produkte deshalb nur von sehr überzeugten Käufergruppen gekauft wurden.

Inzwischen hat sich bio in jeder Hinsicht längst etabliert und ist zu einem Massenmarkt mit gestiegenem Preisdruck geworden. So erhalten wir im Rahmen der Globalisierung bio-Produkte schon lange aus der ganzen Welt.

Mit dem Nachhaltigkeitsgedanken hat man gegen Ende der 1990er Jahre schliesslich begonnen, den Blick zu erweitern auf ökologische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge, welche die Menschen mit einschliessen, die in der Produktion arbeiten. Ein "Label", welches diesen Faktor in den Vordergrund stellt und welches meist für Produkte aus armen Ländern verwendet wird, ist fair trade.

Alle diese "Labels" orientieren sich an Listen überprüfbarer Kriterien. Die Bezahlung der Prüfungsagenturen ist jedoch teuer und liegt fast immer beim Produzenten. Das gleiche gilt für das Risiko möglicher Ernteausfälle (da bestimmte Spritzmittel auch im Falle sehr ungünstiger Witterungsverhältnisse nicht zur Verfügung stehen und die Ernte dann ggf. nicht zu retten ist). Der Markt wiederum orientiert sich am Preis. Eine insgesamt schwierige Lage für die Produzenten.

Labels werden verwendet, um die Komplexität der Kaufentscheidung überschaubar zu halten, dennoch berücksichtigen sie immer nur einen Teil der Produktkriterien und andere überhaupt nicht. So könnte man auch fragen:
  • Wie viele Transportkilometer legt das Produkt zurück?
  • Wie viel Rohstoffe (Wasser, Energie, Dünger, Land) wird verbraucht bei der Herstellung des Produkts?
  • Wie viel Land benötigt die Produktion beispielsweise für Bananen, die pro Jahr nach Deutschland importiert werden? Anders gefragt: Wie viel Land steht für Bauern anderswo nicht für die Selbstversorgung zur Verfügung?
  • Wie viele Tiere und Menschen werden von diesen Flächen aus ihrer Heimat vertrieben, z.B. in der Palmölproduktion auf Indonesien oder in der Sojaproduktion in Südamerika, die grösstenteils den europäischen Tierfuttermittelmarkt speist?
  • Wie viel Abfall entsteht während der Produktion, wie und wo wird er entsorgt?
  • Wie sind die Arbeitsbedingungen der Menschen: Schutzkleidung, Kinderarbeit etc.
  • Wie sind die Tierschutzbestimmungen in den involvierten Ländern?
  • Wurde gentechnisch verändertes Saatgut verwendet oder wurden genteschnisch veränderte Futtermittel (z.B. Soja aus Südamerika) verfüttert?
  • ... man könnte sich noch viele weitere Fragen ausdenken
Möchte man Kriterien wie bio, regional, saisonal, fair trade, ökologisch, ökonomisch, sozial gleichzeitig beachten, ist das Einkaufen ein unglaubich kompliziertes Unterfangen. Die oben gestellten Fragen kann kaum ein Händler beantworten, zu lang sind die "Wertschöpfungsketten" vom Samenkorn bis zum fertig verarbeiteten Produkt. Erst durch umfangreiche Recherchen, läßt sich eine Idee davon gewinnen, welche Einflüsse wir mit unseren Kaufentscheidungen ausüben. Egal ob beim Kauf von Hautcreme, Handy oder Bananen. Als Maß für solche Einflüsse wurde das Konzept des ökologischen Fußabdrucks erdacht. (Und auch diese Konzepte unterscheiden sich je nach Autor.)
Für die Produkte, die auf Balkonien angebaut werden, können die subjektiv als wichtig erachteten Punkte berücksichtigt werden. Man kann sich die Bedingungen der eigenen kleinen Landwirtschaft selbst schaffen.

Auch wiederholt sich bei vielen Einsteigern die oben geschilderte Entwicklung. Zunächst möchte man bio (im Sinne von unbelastetem Biogemüse für den Eigenbedarf). Bei eingehender ("nachhaltiger") Beschäftigung mit bio ist man dann oft nur noch ein Schrittchen entfernt von der regionalen bis globalen Bedeutung, beispielsweise im Hinblick auf  die  Saatgutproduktion. 

Einige auf Balkonien gut umsetzbare Ideen sind die Verwendung von Erde ohne Torf, die Verwendung von samenfestem Saatgut oder Gärtnern ohne chemische "Pflanzenschutzmittel".

Dem Weiterdenken und der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Regionaler Kompost wird in vielen Wohnquartieren bzw. Quartierskompoststellen in Basel-Stadt und Basel-Landschaft zu günstigen Preisen angeboten. Wo diese zufinden sind, erfährt man meist über die Abfallberatung der Gemeinde.